Bundespräsident a.D. Joachim Gauck

Deutscher Juristentag

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Bundespräsident a.D. Joachim Gauck hält eine Rede in Erfurt

©Andreas Burkhardt

Bundespräsident a.D. Joachim Gauck hält eine Rede in Erfurt

Rede beim 75. Deutschen Juristentag

18. September 2026, Erfurt

Bundespräsident a.D. Joachim Gauck hat anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Deutschen Juristentags eine Rede gehalten. Der Deutsche Juristentag fördert den Austausch zwischen Wissenschaft, Justiz, Anwaltschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft und tagt alle zwei Jahre, in diesem Jahr in Erfurt.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

Haben Sie vielen Dank für die Einladung zum 75. Deutschen Juristentag. Ich bin gerne wieder zu Ihnen gekommen.

Unser Rechtsstaat – eine Errungenschaft, die vielen Deutschen aus unterschiedlichen Gründen in unterschiedlichen Zeiten vorenthalten wurde –, er ist ein beeindruckendes Gebäude. Und er gewinnt in der gegenwärtigen Lage unseres Landes an Bedeutung.

Ich möchte gleich zu Beginn meiner Rede bekennen: Wenn die grundlegenden Werte unseres Gemeinwesens in Frage gestellt werden, dann meldet sich die Stimme des Verfassungspatrioten umso deutlicher in mir. So ist es also schön, heute hier in Erfurt zu sein. Denn bei Ihnen, in einer Gemeinschaft von Menschen, die dem Recht dienen, fühle ich mich in besonders guter Gesellschaft.

Im Jahre 2014 konnte ich als Bundespräsident noch stärker aus dem Bewusstsein einer gelungenen rechtsstaatlichen Stabilisierung unseres Landes sprechen. Heute würde ich sagen: unser Rechtsstaat ist kein Bauwerk, das einmal errichtet und dann sich selbst überlassen werden kann. Er muss bewohnt, gepflegt und, wo nötig verteidigt werden.

Ich selbst bin in einem Staat aufgewachsen, in dem es Recht und Gerichte gab, das Recht aber der politischen Macht untergeordnet war. Erst nach 1989 habe ich erfahren, was es bedeutet, wenn der Staat an Recht gebunden ist, wenn Gerichte unabhängig entscheiden und Bürgerinnen und Bürger sich auf einklagbare Rechte berufen können.

Darum ist meine Huldigung an den Rechtsstaat keine höfliche Geste. Sie kommt aus persönlicher Erfahrung. Ich weiß, was es bedeutet, wenn Freiheit fehlt. Und ich weiß auch, dass Freiheit ohne Recht gefährdet bleibt.

Diese Erfahrung ist Teil unserer kollektiven Erfahrung und Prägung. Sie verweist auf eine größere deutsche Geschichte: auf die keineswegs geradlinige Entstehung des Rechtsstaats und auf die Verantwortung derjenigen, die Recht auslegen, anwenden und fortentwickeln. Gerade deshalb lohnt auch ein Blick auf die Geschichte Ihrer Institution.

Über anderthalb Jahrhunderte hinweg sind Vertreterinnen und Vertreter der juristischen Berufsstände, so wie Sie heute, zu Deutschen Juristentagen zusammengekommen – mit Unterbrechungen und tiefen Brüchen. Weite Teile der deutschen Juristenschaft haben den Missbrauch des Rechts während der Zeit des Nationalsozialismus nicht verhindert; viele wirkten an der Entrechtung mit oder widersetzten sich ihr nicht.

Der Deutsche Juristentag ist heute ein Ort rechtspolitischer Beratung. Seine Geschichte mahnt zugleich, dass auch die juristische Profession und ihre Zusammenschlüsse sich an den Maßstäben messen lassen müssen, die sie im Namen des Rechts von Staat und Gesellschaft einfordern. Das Recht wird hier nicht als fertiges und unveränderliches Gefüge verstanden, sondern als lebendige Ordnung, die sich in Lebenswirklichkeiten bewähren und Freiheit und Gerechtigkeit dienen muss.

Unterschiedliche Erfahrungen, Interessen und Überzeugungen kommen dabei miteinander ins Gespräch, werden abgewogen und sollen in begründete Empfehlungen münden. Das ist in einer Zeit von besonderem Wert, in der politische Erregung oft schneller ist als die Prüfung eines Sachverhalts und in der Meinungen zunehmend an die Stelle von Argumenten treten. Der Deutsche Juristentag gibt dem Nachdenken Zeit, dem Widerspruch Raum und so der Rechtspolitik Orientierung. Er debattiert zudem Regelungsbedarf, wenn in Politik, Wirtschaft oder Kultur vorher nicht bekannte Entwicklungen Raum greifen. In meiner Kindheit gab es weder für den Schutz von persönlichen Daten noch für den Umweltschutz rechtliche Normierungen, die uns heute selbstverständlich erscheinen. Aktuell zerbrechen sich Laien, Politiker und Fachjuristen auf sehr unterschiedlichen Gebieten die Köpfe, welche rechtlichen Normierungen nötig sind, um etwa Kinder vor schädlichen Einflüssen aus dem Netz zu schützen oder -wichtiger noch- ob und wie es gelingen kann, die Entwicklung der KI so zu gestalten, dass der Mensch noch in der Rolle des Entscheiders bleiben kann und eine potenzielle Gefährdung der Menschheit verhindert wird.

Die Arbeit, die hierbei Ihnen geleistet wird, ersetzt die parlamentarischen Entscheidungen nicht; sie können der Politik aber Maßstäbe geben und auch daran erinnern, dass gute Rechtspolitik weder dem Beifall noch der Tagesstimmung folgen darf.

An dieser Stelle merke ich, dass ich es nicht bei dieser Würdigung Ihrer Aktivitäten bewenden lassen möchte. Wer die Demokratie und ihre rechtlichen Grundlagen analysiert, muss auch ihre Gefährdungen benennen.

Mein Besuch bei Ihnen gilt nicht nur den Fachleuten der unterschiedlichen Rechtsgebiete, ich besuche Sie auch als meine geschätzten Mitbürger, Und das in einer Zeit, in der die liberale Demokratie für erschreckend viele Menschen keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Sie kann zudem nicht nur durch ihre erklärten Gegner Schaden nehmen, sondern auch durch die Selbstzufriedenheit und Tatenlosigkeit ihrer Anhänger.

Wir dürfen vor der Wirklichkeit nicht fliehen – auch wenn dies mitunter schwerfällt. Die Welt, wie wir sie lange kannten, hat sich in vielen Bereichen verändert, und sie wird es weiter tun. Der Wandel selbst ist keine Besonderheit unserer Zeit. Auch frühere Generationen mussten mit tiefgreifenden Umbrüchen umgehen und reagierten zu Teilen darauf immer auch mit Misstrauen oder Ablehnung. Das Besondere unserer Gegenwart liegt vielmehr darin, wie vieles zugleich auf uns zukommt und wie tief manche Veränderungen in unser Leben eingreifen: der Klimawandel in die Bedingungen unseres Zusammenlebens, geopolitische Verschiebungen in unsere Sicherheit, künstliche Intelligenz in die Ordnung von Arbeit und Wissen, wirtschaftlicher Strukturwandel in vertraute Lebensläufe. Das sind äußerst verschiedene Herausforderungen. Aber sie verlangen uns gemeinsam ab, dass wir uns der Wirklichkeit stellen, statt instinktiv in vergangene Zustände und Gewissheiten zurückzuflüchten. Darin besteht das Angebot der Populisten nationalpopulistischer Couleur, die den verunsicherten Menschen das trügerische Trostangebot zu machen, man werde sie vor dem Wandel, der sie überfordere, schützen, es könne wieder werden, „wie früher“.

Manchmal muss ich auch zu mir selbst sprechen, wenn ich dem forcierten Wandel zunächst mit Abwehr begegne. Ich merke dann, wer spürt, dass Vertrautes schwindet, fragt nicht nur, was gewonnen werden kann. Er fragt auch, ob er noch gebraucht wird, mithalten kann und ob die eigene Erfahrung noch zählt. Solche Gefühle verdienen Gehör und eine politische Antwort. Diese muss durchaus nicht darin bestehen, das Gehörte schlichtweg zu akzeptieren. Aber den Verunsicherten und Enttäuschten darf nicht so geantwortet werden, dass sie sich als outcasts fühlen.

Der Aufstieg illiberaler Kräfte in Deutschland, und aktuell der Erfolg der AfD bei Wahlen in Deutschland, sind ein Warnsignal. Die Entwicklungen zeigen, wie weit eine Partei gelangen kann, die auf dem Weg zur Macht nicht gemäßigter, sondern radikaler und zugleich machtpolitisch ambitionierter geworden ist. Wir sollten deshalb nicht darauf vertrauen, dass eine mögliche Regierungsverantwortung sie notwendigerweise zähmen oder entzaubern werde.   

Ansprache bei der Schlussveranstaltung des djt im Messe und CongressCenter

©Andreas Burkhardt

Ansprache bei der Schlussveranstaltung des djt im Messe und CongressCenter

Aber ein Wahlergebnis ist kein Freibrief für jede politische Maßnahme. Auch eine demokratisch gewählte Landesregierung bleibt an die Grundrechte, an die Landesverfassung und an die föderalen Zuständigkeitsgrenzen gebunden. Das Grundgesetz eröffnet Betroffenen zudem rechtliche Gegenwehr.

Damit Rechtsschutz schnell möglich und praktisch wirksam werden kann, braucht es unabhängige und handlungsfähige Gerichte, eine rechtsgebundene Verwaltung und eine Öffentlichkeit, die staatliche Macht kontrolliert. Freie Medien, parlamentarische Minderheitenrechte und eine wache Zivilgesellschaft sind dabei unverzichtbar. Und vor allem: die Unabhängigkeit und Arbeitsfähigkeit der Justiz zu schützen, gehört zum Kern unseres demokratischen Gemeinwesens.

Wir leben in einer Zeit, in der Verlustängste aber auch das Gefühl, der Staat werde seinen Aufgaben nicht gerecht, Menschen von der Demokratie entfremden. Das erklärt manches, rechtfertigt aber nicht alles. Herabsetzung von Minderheiten, Verachtung demokratischer Institutionen und die Verwandlung von Mitbürgern in politische Feinde sind Gift für ein friedliches Miteinander. Verständnis für Ursachen von Enttäuschung und Verunsicherung darf nicht zur Nachsicht gegenüber Unrecht werden.

Es hilft auch nicht, die Sprache und die Deutungen der radikalen Rechten zu übernehmen. Wer ihre mitunter nachvollziehbaren Fragen mit Variationen ihrer ressentimentgeladenen eigenen Antworten beantwortet, stärkt eher ihre Deutungshoheit. Die realen Probleme unseres Landes dürfen wir indes weder verschweigen noch kleinreden. Wir brauchen Reformen – nicht, um einer Partei Zustimmung zu entziehen, sondern weil der Staat handlungsfähiger werden muss, Verfahren zu lange dauern und Menschen bezahlbaren Wohnraum und verlässliche Arbeit brauchen. Politische Entscheidungen müssen wieder stärker mit der erlebten Wirklichkeit übereinstimmen – sowohl auf innenpolitischen wie auf außenpolitischen Themenfeldern.

Das gilt besonders für das Thema Migration. Auch über ihre Folgen müssen wir nüchtern sprechen: über den Schutz Verfolgter, gelingende Integration, die Leistungsfähigkeit unserer Behörden und die Durchsetzung rechtmäßiger Entscheidungen, wenn Asyl oder Bleiberecht abgelehnt worden sind. Humanität und Ordnung sind keine Gegensätze. Migration als „Invasion“ zu bezeichnen, ist jedoch keine nüchterne Beschreibung, sondern menschenfeindliche Propaganda, sie macht aus Menschen eine generelle Bedrohung. Aber Deutschland besteht schon lange nicht mehr aus einer ethnisch homogenen Volksgemeinschaft. Es ist eine freiheitliche Verfassungsgemeinschaft. Das Grundgesetz spricht von der Würde des Menschen – nicht von der eines bestimmten Volkes.

Wir alle gehen auf eine Zeit verschärfter politischer Auseinandersetzungen zu. Dabei dienen wir uns nicht, wenn wir einfach nur unsere Ängste artikulieren. Bewusste Staatsbürger berauben sich nicht ihrer Selbstwirksamkeit indem sie sich angstgetrieben als Gemeinschaft von Opfern definieren. Außerdem übersehen sie nicht, dass die demokratische Mehrheit größer ist, als die Lautstärke derer vermuten lässt, die sich selbst zur einzigen Stimme des Volkes erklären. Aber sie ist politisch zersplittert und tritt deshalb oft weniger entschlossen auf als ihre Gegner. Sie muss wieder handlungsfähig werden: durch Menschen, die sich einmischen, durch Parteien, die mitunter über ihre Grenzen hinweg Verantwortung übernehmen, und durch den Mut, das Notwendige tatsächlich nicht nur zu erkennen, sondern auch zu wagen. Nur so wird in der Bevölkerung das Zutrauen wachsen, die Zukunft wieder als positiv zu betrachten.

Letzteres fällt im Osten, wo wir uns gerade treffen, besonders vielen Menschen schwer. Das liegt nicht an irgendwelchen charakterlichen Mängeln, sondern auch an den spezifischen, generationenlangen Prägungen in politischer Ohnmacht und einer Ordnung geprägt von amputiertem Recht. Nicht nur das Fehlen von Verwaltungsgerichten und Verfassungsgericht rechtfertigt diese Bezeichnung. Und hinzu kommen persönliche Erfahrungen: wer das Recht nicht als Beistand, sondern als Hilfsmittel einer autoritären Herrschaft erfahren hat, wird vielfach lange brauchen, um in der Tiefe zu begreifen, welche Rolle das Recht und eine eigenständige Rechtspflege und Gerichtsbarkeit in unserer demokratischen Gesellschaft spielen. Mentalitäten verändern sich nur äußerst langsam, und so fehlt in den Psychen vieler Ostdeutscher das stabilisierende Element der Erfahrung eines verlässlichen Rechtsstaats, das Gefühl von Rechtssicherheit. Und wo das Gefühl von Sicherheit defizitär ist, fehlt auch ein Grundvertrauen; damit verbunden ist dann oft ein defizitäres Engagement für die Demokratie und ein zu schnelles Misstrauen gegenüber der demokratischen Gesellschaft, verbunden mit einem zu geringen Glauben an eigene Mitwirkungsmöglichkeiten.

Inzwischen hat sich ein Großteil der hier Lebenden aus dieser Verfasstheit gelöst. Aber nach dem Ende der DDR mussten wir erst lernen, dass die Moral der Unterdrückten kein Ersatz für Recht und rechtliche Verfahren in einem Staat ist. Als Sprecher des Neuen Forums in Rostock, als Abgeordneter der Volkskammer und später als Beauftragter für die Stasi-Unterlagen habe ich im Prozess der deutschen Einheit erfahren: Die Stärke des Rechtsstaats zeigt sich nicht darin, dass immer die Richtigen handeln, sondern darin, dass staatliche Macht gebunden und für alle überprüfbar ist.

Mein Besuch bei Ihnen ist verbunden mit Elementen von Rückschau. Das ist mir deshalb wichtig, weil ich so den Rang und die Würde unseres Rechtsstaats deutlicher ins Bewusstsein rücken kann. Sehen Sie es mir bitte nach, dass ich mich den vielfältigen Themen, die Sie auf dem Juristentag verhandeln, nicht zugewendet habe. Aber ich will Ihnen wenigstens zwei Wünsche für Ihre Arbeit benennen: einmal erschreckt mich der riesige Kommunikationsraum, der heute durch private Plattformen angeboten wird. Ihre Betreiber entscheiden darüber, welcher „Content“ sichtbar wird, welche Erregung sich verbreitet und welche Stimmen im Strom der Nachrichten untergehen. Das Recht beginnt erst, diese Macht zu erfassen. Der Digital Services Act verlangt von den größten Plattformen, Risiken für Grundrechte, öffentliche Sicherheit und Wahlprozesse zu prüfen und zu mindern. Aber wir sollten uns nicht vormachen, dass Transparenz allein schon Verantwortlichkeit bedeutet. Wer öffentliche Kommunikation prägt, muss sich auch öffentlicher Kontrolle stellen.

Und zum anderen: Mit der künstlichen Intelligenz kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu. Bilder können entstehen, ohne dass das abgebildete Ereignis stattgefunden hat. Stimmen können uns vertraut klingen, ohne dass der Mensch, dem sie gehören, gesprochen hat. Sprache kann Nähe erzeugen, ohne aus einer eigenen Erfahrung hervorgegangen zu sein. Das verändert die Arbeit der Medien ebenso wie die Bedingungen unseres Urteilens. Gerade deshalb ist die Frage nach der Verantwortung entscheidend. Eine Maschine kann einen Vorschlag machen oder eine Entscheidung vorbereiten. Die Verantwortung kann sie uns aber nicht abnehmen. Im Rechtsstaat muss am Ende ein Mensch Begründungen geben, Zweifel aushalten und für die Folgen seines Handelns einstehen. Was für ein Gericht gilt, gilt in anderer Weise auch für Behörden, Unternehmen und Plattformen: Niemand darf sich hinter der Undurchsichtigkeit eines Systems verstecken, wenn dieses System über die Chancen, den Ruf oder die Freiheit eines Menschen mitentscheidet. Mein Wunsch ist, dass der Deutsche Juristentag seine Lebendigkeit und Bedeutung dadurch steigert, dass er auf diesen - laienhaft benannten - Gebieten fruchtbare Debatten führt, auch Bündnisse zustande bringt, die tatsächlich zu Ergebnissen führen.

Ich bin überzeugt, dass demokratische Erneuerung möglich ist. Es ist ja gerade das Wesen der liberalen Demokratie, dass sie sich erneuern kann. Sie als Juristen auf Ihren so vielfältigen Arbeitsgebieten sind nicht nur Hüter rechtsstaatlicher Normen und Institutionen und damit Bewahrer einer menschenfreundlichen Rechtstradition. Sie sind auch immer neu herausgeforderte Erneuerer, Teil einer societas semper reformanda. Noch wissen wir nicht, ob diejenigen, die Recht setzen und Recht und Rechte schützen, erfolgreich sein werden gegenüber menschlicher Hybris, die rechtliche Begrenzungen scheut. Aber wenn wir den Diktatoren dieser Welt, den abgehobenen Finanzjongleuren oder den gewissenlosen Anbietern diverser Kommunikationskanäle nicht die Stirn bieten, verschwindet das, was die Menschheit unter unsäglichen Opfern schließlich als Zivilisation geschaffen hat.

Unsere freiheitliche Demokratie ist angeschlagen, aber sie ist nicht besiegt. Ihre Zukunft hängt nicht allein von der Stärke ihrer Gegner ab. Sie hängt vor allem davon ab, ob die demokratische Mehrheit ihre Freiheit nicht als selbstverständlich hinnimmt, sondern als Aufgabe begreift.

Wenn ich vor Ihnen stehe, sehe ich sehr unterschiedliche Menschen, die als Juristen auf den unterschiedlichsten Gebieten aktiv sind. Aber ich sehe nur Menschen, die etwas gemeinsam haben, Menschen, die vor Ihren Aufgaben nicht fliehen, die eigene Verantwortung nicht meiden und so zu einer Lebensform gelangt sind, die anderen Menschen dazu verhilft, Zutrauen zu sich selbst zu erlangen.  Und draußen, wo Sie wirken, können Sie Menschen treffen, die ähnlich wie Sie gerade neu lernen, dass wir erneuern und verteidigen müssen, was unsere Vorfahren und wir geschaffen haben: die Freiheit, die Demokratie und die Herrschaft des Rechts.