
©Bundesregierung - Guido Bergmann
Bundespräsident a.D. Joachim Gauck im Gespräch - ARCHIVBILD
Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung
02. Mai 2026
SZ: Herr Gauck, Sie setzen sich seit Jahrzehnten für Freiheit und demokratische Mitsprache ein. Jetzt erleben wir eine Renaissance autoritärer Sehnsüchte und Regenten. Gehören Aufbruch und Revolte inzwischen den anderen: den Antidemokraten?
Joachim Gauck: Das ist ein interessantes Phänomen. Revoltieren gilt eher als linke Angelegenheit. Aber Europa hat schon im vorigen Jahrhundert das Aufbegehren der Rechts-außen-Parteien erlebt. Erst war es eine Bewegung, die unzufrieden war mit Kompromissen und parlamentarischen Debatten, auch mit einer Moderne, die manche verunsichert hat. Dann entstand die Sehnsucht nach einem reinigenden Gewitter, damals wurden neue Heilsbewegungen wirkmächtig: Von links kam die sozialistische Erlösungserzählung, von rechts das völkische Narrativ. Und das riss viele, vor allem junge Leute mit.
Wieso haben bei der Bundestagswahl 21 Prozent der Jungwähler AfD gewählt?
Die Union hat auch nicht wenige Jungwähler, und es gibt neue Erfolge der Linkspartei im jugendlichen Milieu. Das ist nun mal das Vorrecht der Jungen, alles infrage stellen zu können. Die bewahrenden Erzählungen der Älteren sind oft weniger einladend als das Rauschhafte, im heutigen Jargon das Disruptive: Jetzt geht es mal los! Wir zeigen es denen da oben!
Was wäre die richtige Antwort?
Es muss völlig klar sein, dass nationalsozialistisches Denken ein grundsätzlicher Feind des demokratischen Denkens ist. Sofern die AfD die Werte, die für unsere Demokratie unumstößlich sind, aggressiv infrage stellt, müssen wir sie als eine Gefahr für die Demokratie politisch energisch bekämpfen. Wir sollten aber nicht vergessen: Der Zulauf zur AfD ist auch Ergebnis von erheblichen Mängeln und Handlungsdefiziten, die die demokratische Mitte nicht ausreichend benannt hat. Drei Viertel der Deutschen sind mit den Leistungen der Regierenden unzufrieden. Ohne entschlossenes Regieren schwindet Vertrauen in der Bevölkerung. Politik muss offenkundige Probleme benennen und Lösungsansätze anbieten. Wir brauchen weniger öffentlichen Streit in der Koalition und mehr Mut bei den erforderlichen Reformen. Insofern gäbe es viele Anschlussstellen für Gespräche mit Menschen, die man mit besserer Politik zurückgewinnen kann.
Wo sehen Sie da Anschlussstellen?
In der Frage von Abschiebungen zum Beispiel. Wenn Sie die Äußerungen des letzten Bundeskanzlers Olaf Scholz lesen – da kann man sich schon wundern, was ein Sozialdemokrat zu diesem Thema gesagt hat. Es war der Versuch der Regierung zu zeigen: Leute, wir haben verstanden. Aber wir werden es auf unsere Weise lösen, auf rechtsstaatlichem Weg und ohne Ressentiments.
Der jetzige Innenminister Dobrindt hat die Migrationspolitik erheblich verschärft. Nährt das nicht neue Ressentiments? Oder macht er alles richtig?
Er ist sehr forsch. Er will ein Signal senden. Das finde ich vom Ansatz her richtig. Ob er ausreichend die juristischen Bedenken gewürdigt hat, kann ich nicht beurteilen.
Wie weit sollte die Regierung der AfD denn noch entgegenkommen?
Es geht überhaupt nicht darum, der AfD entgegenzukommen. Es geht darum, das Funktionieren und die Akzeptanz des Rechtsstaats zu verbessern. Wenn ein Bürgermeister Regelungen für Kindergärten oder eine Umgehungsstraße trifft, die auf kommunaler Ebene schlecht ohne die AfD gelöst werden können, finde ich es nicht unbedingt problematisch, wenn die AfD zustimmt. Problematisch würde ich es finden, auf der Ebene der Landespolitik eine Koalition zu schließen. Das geht mit dieser AfD nicht.
Aber mit einer anderen?
Die AfD kommt mit einem Doppelgesicht daher. In ihr Programm schreibt sie bewusst nichts, was zu einem Parteiverbot führen könnte. Aber wenn man die jüngste Rede von Alice Weidel in Budapest sieht, da zeigt sich so viel Hass auf unser Europa, auf unsere Ordnung. In einer solchen Rede spürt man die Gefahr für die Demokratie. Ich finde auch die vaterlandsgefährdende Haltung der AfD zu Putins Angriffskrieg unerträglich. Wenn und solange die Partei den Weg der Disruption wählt, ist sie absoluter Gegner.
Und wenn sie sich etwas mäßigt? Kann die Brandmauer zwischen Konservativen und Rechten dann weg?
Das Bild der Brandmauer ist nicht ganz passend, weil es so wirkt, als sei dahinter nur Feuer und Verderben. Richtig ist, dass die deutsche AfD sogar unter rechten Schwesterparteien in Europa isoliert ist. Noch nicht mal der französische Rassemblement National kann sich mit ihr identifizieren, weil sie zu radikal ist. Sie ist sozusagen auf dem Höcke-Trip, und da sehen wir eine Neigung zu einem Vaterland, das wir nicht wiederhaben wollen, und eine Abneigung gegenüber dem Deutschland, das die demokratische Mitte über Generationen geschaffen hat. Deshalb kann sie jetzt kein Bündnispartner für demokratische Parteien sein. Und ja, es steht dahin, ob sie es jemals wird.
Warum sollten Demokraten einer Partei mit Rechtsextremisten signalisieren: Wenn ihr euch bessert, seid ihr für uns mögliche Partner?
Das würde ich gar nicht signalisieren. Ich würde sie erst mal bekämpfen. Aber statt einer Brandmauer schwebt mir eine befestigte Grenze vor. Wenn die Rechtspopulisten sagen: Diese Demokratie ist nicht unser Staat, dann sagen wir: Wir werden verteidigen, was der Bürgergesellschaft Freiheit und Recht erhält. Ihre Art politischer Kommunikation ist nicht unsere. Was sie an der Rechtsordnung verändern wollen, wollen wir schützen. Diese Grenze muss klar sein. Aber es gibt einen Grenzverkehr, und wir müssen mit denen reden, die noch auf Sachargumente hören. Diesen schwierigen Weg würde ich bevorzugen.
In Sachsen-Anhalt könnte die AfD im September stärkste Kraft werden. Mit wem soll die CDU dort regieren, wenn ohne Linkspartei keine Mehrheit mehr zustande kommt?
Wir brauchen dann die große Koalition aller Gegner der AfD, und sie schließt selbstverständlich auch die Linkspartei ein.
Selbstverständlich? Da haben Sie schon mal anders geredet.
Das stimmt. Es gibt gute Gründe, die Politik der Linkspartei abzulehnen. Aber diese Partei ist durch den Zustrom jüngerer Leute wieder zu einem relevanten Faktor geworden. Ihre Mitglieder haben eine durchaus heterogene Auffassung von dem, was links ist. Und die größte Gefahr in Europa und den Vereinigten Staaten droht heute nicht von Kommunisten und Antikapitalisten, die plötzlich wieder ans Ruder kommen. Sie kommt von Rechts-außen-Typen unterschiedlicher Verfassungsfeindlichkeit. Die Union wird diese Kröte im Ernstfall schlucken müssen. Sie braucht ja keine Liebeserklärung abzugeben.
Dann brennt bei CDU und CSU die Hütte.
Das mag sein. Aber die Union wird sich bewegen müssen bei einem solchen Szenario. Das gilt übrigens auch für die Linke, wie man in den Vereinigten Staaten sieht. Dort haben progressive linke Kräfte identitätspolitische, also gruppenbezogene Themen in den Vordergrund gerückt. Damit hat die Linke das universalistische Leitmotiv von Freiheit und Gleichheit für alle verloren. Das hat zur Abwendung von der Demokratischen Partei geführt. Die Interessen einer ganz großen Arbeitnehmerschaft, die früher Hauptadressat linker Politik war, sind in den letzten Jahren eher von Trump angesprochen worden. Deutschlands Linke könnte daraus lernen.
Sie meinen, sie sollte nicht so sehr für die Gleichstellung benachteiligter Gruppen kämpfen?
Sie sollte nicht ausgrenzen. Die US-Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King oder die Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika haben davon profitiert, dass sich alle, die für Demokratie und Freiheit waren, ungeachtet von Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht ihren Forderungen angeschlossen haben und nicht nur eine bestimmte Gruppe. Die aktuelle Identitätspolitik hingegen muss sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, die Gräben zwischen Weiß und Schwarz zu vertiefen. Dass dies Teile der Wählerschaft verunsichert, halte ich für nachvollziehbar.
Emanzipationsbewegungen fechten Privilegien an. Die US-Bürgerrechtsbewegung hat die Vorrechte Weißer bekämpft. Die Frauenbewegung stellt sich gegen Bevormundung durch Männer. Keine dieser Bewegungen wurde sofort von der breiten Mehrheit akzeptiert. Trotzdem haben sie Gesellschaften demokratisiert. Oder ist das für Sie alles woker Quatsch?
Selbstverständlich sind Frauen- und Minderheitenrechte wichtig. Selbstverständlich ist politische Selbstermächtigung wichtig und erwünscht. Wir sind Bürger mit dem Recht zu herrschaftskritischen Diskursen. Aber nicht jede Form von Protest führt ans Ziel. Es sollte uns zu denken geben: Die Kritik an der Wokeness kommt aus unterschiedlichen politischen Richtungen, von Konservativen, dezidiert liberalen Intellektuellen und gerade auch von traditionellen Linken. Um nur einen Punkt zu benennen: Gerade, weil wir im aufklärerischen Geist Menschenrechte für alle verteidigen, ist es inakzeptabel, dass weiße Menschen diskreditiert werden, weil allein ihre Hautfarbe sie angeblich privilegiert und eine grundsätzlich hegemoniale Position einnehmen lässt. Außerdem ist zu fragen, wie sinnvoll es ist, wenn sich Minderheiten zu stark von der Mehrheit entfernen. Auch als progressiver Mensch kannst du dich verirren. Als Leute wie Joschka Fischer jung waren, hieß es: Macht kaputt, was euch kaputt macht. Auch in der 68er-Bewegung, die ich für ihren Aufbruchsgeist gelobt habe, gab es solche Parolen und sektiererischen Tendenzen.
Was sagen Sie jungen Leuten, die heute für Minderheiten- oder Frauenrechte eintreten? Sind sie Sektierer?
Wo die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen nicht gegeben ist, müssen wir nacharbeiten. Und deshalb sind Aktivisten, die uns auf Mängel hinweisen, hochwillkommen. Die Demokratie braucht sie. Sie sind manchmal zu laut, das bereitet mir Unbehagen. Aber das gehört dazu. Wer allerdings so tut, als lebten wir in einem prinzipiell rassistischen Staat oder hätten hier eine Herrschaft des Patriarchats, soll sich sowohl unsere Rechtsordnung als auch andere Zonen der Welt genauer ansehen.
Wenn Ihr Enkel keine Wohnung finden würde, weil er Ahmed heißt, würden Sie das vielleicht anders sehen.
Möglicherweise. Aber individuelles Fehlverhalten ist kein Systemfehler. Hier ist sicher noch viel Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung zu leisten. Ich würde aber auch die Räume sehen, die sich in unserer Einwanderungsgesellschaft geöffnet haben. Wir haben in Baden-Württemberg demnächst einen Regierungschef aus einer türkischen Familie. Wir sehen seit vielen Jahren eine kurdischstämmige Frau als Präsidentin des Stuttgarter Landtages, sehen überall Abgeordnete und Bürgermeister, die aus zugewanderten Familien kommen. Also man kann nicht sagen, dass ihnen der Weg auf politische Führungspositionen blockiert ist, weil sie einen anderen Namen haben.
Wie fanden Sie die Bemerkung von Friedrich Merz, wonach Migration im Stadtbild stört?
Man sollte schon darauf achten, mit welchen Sprachbildern man arbeitet. Aber es nützt auch nichts, nennenswerte Probleme zu beschweigen. Und dazu gehören die Kriminalität unter Zugewanderten oder auch kulturelle Grundeinstellungen, die wir einfach nicht hinnehmen dürfen. Etwa Antisemitismus oder ein bestimmter paternalistischer Umgang mit Frauen oder Beschneidung kleiner Mädchen, wie es in bestimmten Kulturkreisen Afrikas üblich ist.
In der Migrationsdebatte kommen fast nur noch die Missetäter vor. Wer ermutigt die vielen anderen?
Zunächst einmal: Zuwanderung wurde in vielen Medien und einigen Parteien über Jahrzehnte positiv bewertet, als Gewinn. Wenn heute öfter über Negatives gesprochen wird und wenn die Fakten stimmen, gehört das zu einer offenen Debatte dazu. Nicht hinnehmbar finde ich allerdings, die Erfolgsgeschichte all der zugewanderten Menschen zu verschweigen, die unser Land in die Zukunft führen. Ich frage auf meinen Buchlesungen auch immer: Wo wären wir ohne unsere zugewanderten Bürger? Wenn alle Polen weggehen würden, die im Pflegebereich oder im Baugewerbe arbeiten, wenn die Ingenieure bei Siemens fehlen würden, die Arbeiter am Band oder die Chefärzte in Kliniken – wenn die alle weg wären, es wäre eine Katastrophe.
Die nützlichen Zuwanderer sollen bleiben. Was wird aus denen, die weniger gut qualifiziert sind?
Sie sind in ein Land gekommen, das Regeln hat. So wird geprüft, ob sie eine Aufenthaltsberechtigung haben. Und wenn nicht, gibt es Gründe, uns von ihnen zu trennen.
Hätten Sie sich vorstellen können, dass die Demokratie in Deutschland so schnell in Gefahr gerät?
Nein. Deshalb heißt mein jüngstes Buch „Erschütterungen“. Das ist ein Titel, der mir überhaupt nicht gefällt, wo ich doch für Zuversicht stehe. Ich habe immer gedacht, Deutschland sei für immer von nationalistischen Verführungen geheilt. Nach dem tiefen Fall einer Kulturnation, die nach dem Nationalsozialismus als Paria unter den Völkern galt in der Zeit meiner Jugend – und dann gewinnen solche Haltungen wieder Zuspruch, in einem Deutschland mit einer sagenhaften Rechts- und Wohlstandsordnung. Da hat mein Optimismus schweren Schaden erlitten.
War Ihre Zuversicht naiv?
Ich habe die Bedrohungen durch Putin früh gesehen. Aber sein brutaler Angriffskrieg und die Infragestellung der bisherigen geopolitischen Ordnung hat mich dann doch schockiert. Ich habe auch diese multipolare Unordnung nicht kommen sehen, und meine Sorge ist groß, dass die USA als Sicherheitsgarant wegbrechen könnten. Sie entwickeln unter Donald Trump eigene imperiale Ambitionen.
Was heißt das?
Das heißt, wir müssen begreifen, dass wir entschlossener verteidigen müssen, was uns lieb und wert ist, notfalls auch militärisch. Wir müssen Abschied nehmen von einer auf Hoffnung gestützten Ohnmacht und dem Irrglauben, dass wir nur stillhalten müssen, damit alles bleibt, wie es ist. Da ist viel, was wir zu verteidigen haben: die Geltung der Menschenrechte für alle. Rechtssicherheit. Keine Korruption im Bereich der Justiz. Ein funktionierendes System von freien, gleichen und geheimen Wahlen. Ein Sozialstaat. Pressefreiheit. Akzeptierte Gewaltenteilung. Keine kriegerischen und aggressiv gesinnten Regierungen. Alles Dinge, die Deutschland in dieser Form über Jahrhunderte nicht hatte.
Viele jüngere Menschen betrachten nicht nur Krieg, sondern auch fehlende Generationengerechtigkeit als ernste Bedrohung. Weil wenige Junge bald sehr viele Alte versorgen müssen. Können Sie das verstehen?
Ich möchte mich zur aktuellen Rentenpolitik nicht äußern. Das ist nicht meine Rolle. Aber als Privatmann kann ich sagen: Ich habe zehn Enkel und zwölf Urenkel. Manchmal wünschte ich mir, es gäbe in meiner Alterskohorte mehr Menschen, die sagen: Wir haben bestimmte Ansprüche, die bisher immer befriedigt wurden. Aber für zwei oder drei Jahre könnten wir bei den Renten mal auf weiteren Aufwuchs verzichten. Wir haben ein Sozialsystem, das tragfähig ist, da fallen wir nicht gleich ins Elend.
Gibt es Dinge, vor denen Sie persönlich Angst haben?
Ich bin grundsätzlich kein ängstlicher Mensch. Aber natürlich gibt es Dinge, vor denen ich mich fürchte, etwa vor einem Atomkrieg, und davor, dass ich Krebs kriegen könnte. Früher habe ich gedacht, ich sei komplett angstfrei. Natürlich stimmt das nicht. Das Problem ist auch gar nicht, dass wir Ängste haben, sondern dass wir unseren Ängsten zu oft folgen wollen. Das muss man nicht. Wir können Ängste nicht löschen, aber wir können ihre Herrschaft bannen.
Wie?
Indem wir versuchen, uns zu ermutigen. Ein Kind springt nicht gleich vom Fünf-Meter-Brett. Es fürchtet sich, und dann erlebt es, dass es geht. Erst ein Meter. Dann drei. Dann vielleicht fünf. Mut ist eine erlernbare Option – eine ermächtigende Menschenmöglichkeit.
Sie sind 86. Fürchten Sie sich vorm Sterben?
Ich kenne diese Furcht. Aber sie beeinflusst mein Leben nicht, und das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich ein sehr aktives Leben führe. Dann bleibt die Angst hinterm Zaun.
Wie war Ihnen zumute, als 2025 Horst Köhler beigesetzt wurde, einer Ihrer Vorgänger im Amt des Bundespräsidenten?
Ja, das war schon merkwürdig. Horst Köhler war jünger als ich. Und dann habe ich Gott für die mir geschenkte Zeit gedankt.
Wer imponiert Ihnen?
Die Letzte, die mir imponiert hat, war Laura Hinze, eine junge Krebsforscherin. Mit 16 Jahren hat sie Abitur gemacht, mit 18 begann sie ihre Dissertation, jetzt ist sie habilitiert und mit 27 Jahren Professorin an der Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf. Sie erhielt neulich einen Nachwuchspreis der Leopoldina. Und ich sehe diese junge, ermächtigte Frau, die mit großer Sicherheit erklärt, was wir schon wissen, was wir noch nicht wissen – und dass wir nicht erzittern müssen vor dem, was wir nicht wissen. Solche Formen der Daseinsbejahung sind wichtig. Ich hoffe, dass wir die Kultur der Tristesse hinter uns lassen können. In Deutschland gilt man bei vielen ja als intelligent, wenn man Missbehagen besonders gut artikulieren kann. Ich halte das für verzichtbar.
Das Interview führte: Constanze von Bullion